War Neujahr in Köln das Ende von “Multi-Kulti” ?

Die Ereignisse in der Neujahrsnacht in Köln und anderswo haben in Deutschland (und auch im Ausland) Presse, Politik und Bürger_Innen erschreckt und aufgeschreckt. Nach den ersten wilden Spekulationen, ausgelöst durch die unzureichende Informationslage, hat sich inzwischen ein konsistenteres Bild der Vorkommnisse heraus kristallisiert, auch wenn die möglichen und nötigen Konsequenzen weiterhin kontrovers diskutiert werden.

Dass in der ganzen Hysterie der politischen Bewertung das Leid der Opfer oftmals heruntergespielt, verharmlost oder sogar ganz vergessen wurde, kann man nicht oft genug an den Pranger stellen. Denn wie das Trauma der betroffenen Frauen für selbstsüchtige politische Zwecke missbraucht wurde, war teilweise nur noch schäbig.
Darüber hinaus ist in meinen Augen jedoch der größte Schaden, dass diesen Frauen das Gefühl der Sicherheit im öffentlichen Raum abhanden gekommen ist, eines der wertvollsten Güter, die ein freiheitlicher Rechtsstaat seinen Bürger_Innen bietet. Deshalb finde ich es wichtig, dass die Situation auch mal objektiv und ohne Ideologiebrille betrachtet wird.

Ich selbst bin ein großer Freund von “Multi-Kulti”. Ich finde es gut, dass viele Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen zusammen kommen und friedlich zusammenleben, dass verschiedene Kulturen sich untereinander austauschen und gegenseitig befruchten. Das geht allerdings nur, wenn die Kulturen, bzw. die Menschen die zu ihnen gehören, offen sind für Neues, wenn sie Respekt haben vor den jeweiligen anderen, und wenn sich alle an übergeordnete Regeln des Zusammenlebens halten.
Was das angeht, bin ich durchaus Kulturimperialist. Ich meine, dass unsere europäisch humanistische Kultur mit ihren Idealen von Freiheit, Gleichheit und Toleranz einen übergeordneten Standard darstellt, der als Grundlage für eine friedliche und fruchtbare Koexistenz verschiedener Kulturen nicht nur geeignet, sondern auch unerlässlich ist. Wer dessen Regeln nicht anerkennt, gefährdet ein friedliches Zusammenleben und darf hier keinen Platz haben. Das gilt natürlich für alle, ganz unabhängig, ob sie hier geboren sind, ob ihre Familie seit Generationen hier lebt, oder ob sie selbst oder ihre Eltern von irgendwo anders auf dieser Welt hierhergekommen sind.
Wenn es Bereiche gibt, wo diese Regeln nicht anerkannt werden, ob das ein Stadtteil ist, oder bestimmte Familienstrukturen, ob eine Sekte oder eine politische Bewegung, oder auch nur eine besondere Situation, wie ein Fest oder eine Demonstration, dann darf das nicht geduldet werden. Es muss ganz klar aufgezeigt werden, wo die Grenzen sind, und zwar sowohl von den Menschen selbst (solange gewaltlose Aktionen möglich sind), als auch vom Staat in Gestalt der Polizei. Dafür ist diese schließlich da.
Wenn Menschen sich so unwohl fühlen, dass sie planen Bürgerwehren zu schaffen, oder dass sie beginnen gewaltsam gegen Nazi-Demonstrationen vorzugehen, dann sagt das nicht nur etwas über politische Gesinnung aus, sondern auch etwas über die Arbeit der Polizei (und der Politik, die diese Ausstattet).

Angesichts der sichtlichen Überforderung und Verwirrung der Politik, insbesondere unserer Regierung und deren Mitglieder, angesichts der Hysterie in der Presse jeden politischen Spektrums, habe ich allerdings momentan nicht viel Hoffnung, dass sich etwas zum Besseren wendet. Es werden vermutlich eher neue, strengere Gesetze geschaffen, die dann letztendlich ebenfalls nicht durchgesetzt werden, als dass ernsthaft versucht wird, die wahren Probleme zu analysieren und dann anzugehen. Das ist schließlich einerseits zu unspektakulär (also nicht wahlkampftauglich) und andererseits auch viel zu anstrengend.

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